Die Wahlen im Oktober wurden ja grosso modo von der SVP gewonnen. Ist es richtig, die daran anschliessenden Wahlniederlagen in Zürich (Ueli Maurer nicht gewählt, Ulrich Schlüer rückt nicht nach) und St. Gallen (Toni Brunner trotz Bestresultat im ersten Wahlgang nicht gewählt) sowie die Abwahl von Bundesrat Blocher als direkt darauf bezogene Gegenreaktionen zu sehen oder ist das nur Wunschdenken meinerseits?
Ich meine, es ist doch durchaus vorstellbar, dass die SVP-Gewinne im Oktober massgeblich dazu beigetragen haben, dass mehr Leute gegen die SVP gestimmt haben und dass einige im bürgerlichen Lager mobilisiert wurden, am 12. Dezember Widmer-Schlumpf zu wählen, oder?
Und verzeiht mir, falls diese These schon ausführlichst in der Arena diskutiert wurde. Ich habe schon lange keinen Fernseher mehr.
Gut einen Monat nach den Wahlen nun doch noch etwas Befriedigung.
Toni Brunner, der St. Galler, der im ersten Durchgang noch am meisten Stimmen geholt hatte und sich sehr siegessicher gezeigt hatte, wird im zweiten Wahlgang nur noch Dritter. Nicht im Ständerat.
Ueli Maurer, der SVP-Präsident, der es trotz der penetranten Wahlempfehlungen des SVP-Juniorpartners FDP nicht schaffte, genügend Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, zieht in Zürich den Kürzeren gegen Verena Diener. Nicht im Ständerat.
Und Ulrich Schlüer, gestandener Antimuslim und Hetzpropagandist: Nicht im Nationalrat.
Ein ernüchternder Nachmittag. Obwohl ich gleich doppelt zu den Wahlsiegern zähle: einen Kandidaten von der CVP habe ich freiwillig gewählt (war das Beste, was in meinem Kanton zur Verfügung stand) und für die Grünen schlägt mein Herz schon auch. Aber dass die SP so verliert, während die SVP derart massiv zulegt, ist bitter zu sehen, wenn auch nicht wirklich überraschend.
Über die Rechten werde ich mich die nächsten vier Jahre noch genug aufregen. Und es war ja nicht nur schlimm gestern. Deshalb freue ich mich doch lieber über den ersten grünen Ständerat, Monsieur Cramer, über den ersten dunkelhäutigen Nationalrat, Herrn Lumengo, über den jungen grünen Nationalrat aus Zürich, dessen Karriere ich schon seit Jahren mitverfolge, Herrn Girod, darüber, dass die SVP zwei neue Frauen im Nationalrat hat, Frau Rickli und Frau Estermann, über den neuen linken Baselbieter Ständerat, Herrn Janiak und darüber, dass auch Bernhard Hess von den Schweizer Demokraten nicht mehr mitmischen darf.
Und wäre es jetzt nicht langsam mal Zeit für eine grüne Bundesrätin? (Die Grünen würden wohl keinen Mann aufstellen.) Natürlich nicht von der SP abgezwackt, die ja noch immer mit Abstand die zweitstärkste Partei ist, sondern von der FDP, die jetzt wirklich keine zwei Sitze mehr verteidigen kann. Ich wüsste jedenfalls keine Argumente. Doch Ruth Genner hielt sich gestern vornehm zurück mit Forderungen, das ist eben guter Stil, wie er in der heutigen Politlandschaft der Schweiz leider nicht mehr oft vorzufinden ist.
Girod ist drin! Das ist die beste Nachricht dieser Wahlen.
Und - fast noch besser, da Schadenfreude die schönste Freude ist und ich es diesem grässlichen Typen gönne - Schlüer ist nicht wiedergewählt!
(Ich hoffe bloss, dass das so bleibt und dass er nicht nachrutschen kann, falls Ueli Maurer in den Ständerat käme...)
"Georges Theiler - gut für die Umwelt" stand auf dem Wahlplakat. Seit wann ist die zweite Gotthardröhre und damit eine Erhöhung des Verkehrsaufkommens gut für die Umwelt?
Gewählt ist er jetzt. Der Umwelt wird es deswegen nicht besser gehen.
Matthias Hüppi vor etwa 20 Jahren. Hihi.
PS: Schon etwas irritierend, wenn der plötzlich im Wahlstudio auftaucht...
Einzig gute Nachricht neben dem Stimmen- und Sitzgewinn: Claude Janiak ist fürs Baselbiet im Ständerat! Der MBW ist in Champagnerlaune Edit: Bierlaune. Damit lässt sich auch der Frust gut überdecken...
Die Horrorvorstellung: Toni Brunner und Ueli Maurer beide im Ständerat. Hoffnung besteht noch.
Endlich ein Kanton, in dem die SVP verloren hat. Neuchâtel. Immerhin einer. Im Rest des Landes sieht es ja gruslig genug aus.
0.1 Prozent, übrigens...