Zurückblicken aufs Open-Air St. Gallen: Finde ich schwierig. Es waren so viele Acts, so viele Konzerte, so viele lustige oder aufreibende Momente, im Nachhinein fühlt sich sowieso alles einfach gut an, und dies nicht nur, weil man mal wieder geduscht und in einem Bett geschlafen hat. Hier also mein bester Versuch.
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Ich bin die Wetterfee!
Ein weiteres Mal kein Regen an einem Open-Air, das die vom Zwischenbericht besucht. Man darf mich gerne schon jetzt für nächstes Jahr buchen.
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Positive Überraschungen
Neben gewissen Bands sorgte auch die Zeltplatzsituation für Freude. Als der MBW und ich um halb elf schon unsere zwei Zelte platziert hatten und diese überdies auf nur leicht geneigtem Terrain standen, waren wir dann doch etwas baff, schliesslich hatten wir mit einer langen Ansteherei gerechnet. Des Rätsels Lösung - wenn's denn stimmt: Frühmorgens hatte eine Meute den Zaun am Nebeneingang eingedrückt und somit die Festivalleitung dazu bewegt, das Gelände schon um acht Uhr zu öffnen. Als wir um zehn ankamen, hatte die grosse Masse die Wiesen schon lange erobert und wir konnten gemütlich reinspazieren.
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Freunde zu Gast im Sittertobel
Meine Highlights waren mit einer Ausnahme (siehe weiter unten) Deutsche. Den Start machte - klar - Jan Delay. Unbestritten das beste Konzert des Wochenendes. Leider verausgabte ich mich schon jetzt so sehr, dass ich während Maxïmo Park und Placebo etwas chilligere Positionen einnehmen musste.
Am Samstagabend folgte dann eine grosse Überraschung aus dem Norden. Die von mir als hysterische Zicke bezeichnete Mietze von Mia. entpuppte sich als Vollblut-Showtalent mit Herz und der Sound der Deutschen als wandelbar und live sogar ziemlich spannend. Das war wirklich erfreulich.
Der Sonntag bot noch Wir Sind Helden, von denen man viel erwartete und im Vergleich zum letztjährigen SouthSide wenig kriegte. Judith klönte über das heisse Wetter und mich dünkte, die Songs (ein Hit nach dem anderen, übrigens) würden ziemlich lustlos und routiniert heruntergerasselt.
Auch ganz erstaunlich waren, dass dies auch noch erwähnt ist, die vielen Schweizer Acts, die St. Gallen bespielten. Heinz de Specht, die den Sonntagmorgen humorvoll versüssten, The Bianca Story, Henchman, Snitch, natürlich Stress, Breitbild und sogar Weyermann zeigten, dass dieses Land musikalisch in vielen Genres ein hohes Niveau zu bieten hat.
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Die Ausnahme
Am Freitagabend hatten mir Jan, Schlafmangel und die Sonne um 20 Uhr schon so sehr zugesetzt, dass ich mich am liebsten hingelegt hätte. Nach Placebo verwirklichte ich diesen Wunsch und hörte mir LCD Soundsystem in der Horizontalen im Zelt an. Schade eigentlich, denn was ich zu hören kriegte, klang sehr vielversprechend und liess meinen im Schlafsack verpackten Fuss zünftig mitwippen.
Denselben Slot besetzte am Samstag die grosse Familie religiöse Gruppierung musikalische Selbsthilfegruppe Band The Arcade Fire. Konserviert hatte mich der esoterische Sound nie wirklich überzeugt und deshalb spielte ich mit dem Gedanken, mich auch heute ins (oder vors) Zelt zu verkriechen und das so zu geniessen. Zum Glück überzeugte mich der MBW eines Besseren! Was dann nämlich abging, war Gänsehaut pur, ein magisches Live-Erlebnis, einfach schön. The Arcade Fire schafften es, inmitten des Konsumtrubels dieses Festivals und der ganzen Sauerei, die 30'000 eher mehr als weniger besoffene und eher weniger als mehr gehemmte Menschen so erzeugen, ein Hippie-Gefühl von Liebe und Frieden und Freiheit zu erzeugen.
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Über Indie-Bands aus UK
(oder: "Habt ihr gewusst, dass die Kaiser Chiefs aus der Ukraine stammen?", wie unser Zeltnachbar, eine wahre Intelligenzbestie, seine Kollegen informierte)
Tobi Müller vom Tages-Anzeiger hat das schon richtig analysiert: Die eigentlichen Höhepunkte waren nicht die gross angekündigten Brit-Acts. Im Gegenteil. Es vermochten weder Placebo (zu satt), noch Bloc Party (live untaugliche Songs), noch Maxïmo Park (für mich zu wenig Pep), noch Kaiser Chiefs (Kommerz-Bullshit, siehe Ruby), noch Klaxons (laut MBW: zu besoffen), noch Arctic Monkeys (ein Internet-Hype macht noch lange keine gute Live-Band und nach einigen Monaten Tour sollte man schon mal langsam ein wenig Bühnenpräsenz entwickelt haben...) zu überzeugen. Dem mehrheitlich minderjährigen und stockbesoffenen Publikum schien das Programm aber zu gefallen, und das ist ja schliesslich das Zielpublikum, und nicht kritische Erwachsene.
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Konsumkritik
Es ist ja nicht nur der extrem sorglose Umgang mit Müll jeglicher Art. Es ist auch das masslose Fressen und Saufen, das ich beobachtete, die Rücksichtslosigkeit von mir und anderen, die sich einstellt, wenn jedes Bier, jede Blasenentleerung, jeder Ort, an den man hingehen möchte, erst erkämpft werden muss. Spätestens nach zwei Stunden Festival sind und bleiben die Ellbogen ausgefahren, Plautus hatte wohl recht: Homo homini lupus, denn man wird gerempelt, geschubst und getreten. Während des Beatsteaks-Konzerts finde ich das ganz okay, sogar fast angenehm. Doch wenn man unglücklicherweise während Dropkick Murphys am Rand des Zeltbühnezelts so steht, dass es zwei Zahnspangen-Leggings-Converse-Ponytail-Mädchen gerade nicht in deb Kram passt, muss es doch nicht sein, dass man gleich zwei Mal in die Nieren getreten wird. Glaube ich.
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Absagen
Dass Mika wegen einer Ohrenentzündung absagte, war mir ziemlich egal. Aber Bright Eyes...schade... Den Grund fand ich dann auch etwas unverständlicher, vor allem die Tatsache, dass es erst einen Tag vor Festivalbeginn bekannt wurde: Conor Oberst hat Flugangst und muss deshalb mit Zug, Bus und Schiff reisen. An und für sich kein Problem. Doch das Management bemerkte "plötzlich", dass es am Sonntag nicht reicht, um von Schweden in die Schweiz zu reisen...
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Früher abhauen
Ist manchmal das einzig Richtige. The Locos: Langweiliger Ska-P-Verschnitt. The Pops: Möchtegern-lustige Möchtegern-Polen. Kaiser Chiefs/Bloc Party: siehe oben. Arctic Monkeys: Lieber etwas früher auf den Zug.
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Und nächstes Jahr?
Das Zelten, das ungezwungene auf-dem-Boden-Fläzen, das leckere Essen, die viele gute Musik... Trotz allen negativen Punkten wird es mich wohl nächstes Jahr wieder verlocken.