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soziales Leben auf Eis

Ich bin total unsozial geworden seit ich zu arbeiten begonnen habe. Meine Freizeit besteht aus:
- kochen und essen
- schlafen
- auf dem Sofa Olympia schauen
- Musik hören und darüber bloggen (aber auch das nur rudimentär)
- Bewerbungen schreiben

Was ich kaum mache und wenn doch, als total anstrengend empfinde:
- ausgehen. Das höchste der Gefühle, was Ausgang betrifft, war dieses Wochenende der FCB-Match. Allerdings landeten wir über kurz oder lang auch wieder mit Freunden zuhause, wo ich schon vor Mitternacht (!) in den Klamotten (!) einschlief, und zwar ohne mich von den Gästen zu verabschieden (?!).
- in die Stadt gehen. Stressige Massen von fremden Menschen krieg ich beim Pendeln schon zur Genüge ab. Und jetzt, wo Fasnacht ist, sowieso nicht.
- abmachen. Ich sitze dann da und suche verkrampft nach Gesprächsthemen, zu denen ich etwas anderes sagen kann als "Schisst mi a." Der Job? Im besten Fall ein Beschäftigungsprogramm, um die Zeit zu überbrücken, bis mir mal endlich jemand eine Chance gibt. Im schlimmsten Fall putze ich das Büro. (War ein Notfall. Niemals wieder.) Das Frühaufstehen? War zu Studienzeiten lustig, aber da war der Zeitdruck (Zug erwischen) auch noch geringer. Das Pendeln? Zermürbend. Der Winter? Soll aufhören. Das Bewerben? Mir gehen so langsam Motivation und Ideen aus. Und seit eine Bewerbung aufgrund meines Schreibstils abgelehnt wurde, bin ich sowieso in der Sinnkrise. Der Umzug nach Basel? Hat ungeahnte bürokratische Implikationen, ich fange besser gar nicht davon an. Kurz: Es gibt momentan kaum etwas, das aus mir eine besonders unterhaltsame Gesprächspartnerin macht.

Daher igle ich mich momentan lieber ein bisschen ein, und zum Glück gibt es ja trotzdem noch ein, zwei Personen, die mich zwischendurch mal anrufen und zu sozialen Aktivitäten anstiften.

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Politik-Action

Jetzt wird es wohl endlich mal Wahl-Action in meinem Heimatkanton geben - ein Stände- und ein Regierungsrat treten zurück. (Sie tragen denselben Nachnamen - ob die Rücktrittswelle wohl etwas damit zu tun hat?) Zur Erinnerung: In unserem Kanton hatten wir bis jetzt an den nationalen Parlamentswahlen jeweils nicht viel zu wählen (nur ein Nationalratssitz und eine eiserne Zauberformel), für die Landrats-Vertretung meiner Gemeinde gibt es auch nur immer die Auswahl zwischen Pest und/oder Cholera und bisher habe ich nur mit vollem Elan für den einen oder anderen Regierungsrat stimmen können. Und jetzt werden zwei wichtige Ämter frei - die SVP wird sich in die Startlöcher werfen, denn sie ist erst in den vergangenen zwei Jahren richtig ins politische Geschäft eingestiegen. Nun wollen die wohl sowohl in den Ständerat als auch in den Regierungsrat einziehen.

Nicht dass das Grund zu überbordender Freude wäre, und auch nicht der Fakt, dass sie wohl mehr als nur einen Achtungserfolg erzielen werden. Aber in der verkrusteten politischen Landschaft des Heimatkantons kann ein bisschen Bewegung nicht schaden. Vielleicht wachen dann endlich all die langweiligen Ämtlibesetzer auf, vielleicht wissen sich die Grünen zu positionieren, vielleicht zieht die SP den Finger aus dem Fudi. Dazu kommt allenfalls noch eine wichtige Abstimmung zu meinem verkehrspolitischen Lieblingsthema. Jede Stimme zählt jetzt, auch wenn die Beinahe-Zweidrittelsmehrheit der Minarettgegner mich diesbezüglich nicht gerade fröhlich stimmt.

Bei dieser Ausgangslage wäre es doch eine Sünde, meine Schriften gerade jetzt aus dem Heimatkanton mit den tiefen Krankenkassenprämien abzuziehen und in die Stadt zu verlegen, nicht wahr?

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Ruhe(abteil) in Frieden

Mein Verhältnis zum Ruheabteil war immer gespalten. Einerseits schätzte ich als Pendlerin die Möglichkeit, unterwegs in Ruhe zu arbeiten, andererseits war die Frustrationsanfälligkeit in diesen Wagen schon immer hoch. Es gibt erstaunlich viele Leute, die ein einfaches Schild, das einen Finger vor einem Mund zeigt, nicht zu deuten wissen.

Und so ärgerte ich mich beinahe jedes Mal, wenn ich in so einem Abteil reiste. Ich ärgerte mich über ignorante plaudernde Mitreisende. Ich ärgerte mich über Zugbegleiter, die nichts dagegen unternahmen. Ich ärgerte mich über Leute, die ich meist höflich, aber eben auch meist vergebens gebeten hatte, entweder das Abteil zu wechseln oder ihr Geschwätz einzustellen. Ich ärgerte mich darüber, dass ich mich ärgerte.

Irgendwann war meine Pendlerzeit vorbei und die Spezialabteile für mich nicht mehr vonnöten. Zugreisen wurde wieder zum Vergnügen. Zwar hatte mich das Pendeln an und für sich nie gestört, bloss der Stress mit den Ruheabteilen, den fand ich mühsam. Aber letztes Jahr zum Fahrplanwechsel wurden die Ruhezonen auch auf der Strecke Luzern-Basel eingeführt. Und prompt passierte der Faux-Pas: Ich setzte mich aus reisestrategischen Gründen in den Ruhewagen, der bis auf eine - lautstark diskutierende - Reisegruppe leer war, und setzte meine Kopfhörer auf. Leise wie immer hörte ich Musik, gestört hätte ich bei den Hintergrundgeräuschen auch eine neben mir sitzende Person nicht. Aber wie das Schicksal so spielt, stieg die Gruppe in Olten aus, ich dachte nicht daran, den Player auszumachen und kassierte einen Rüffel von der Zugbegleiterin. Nie wieder Ruheabteil, schwor ich mir da und ich hielt mich daran.

Nun werden die Ruheabteile also abgeschafft. Angeblich, weil die Kondukteure und -tricen sich nicht ständig mit den Beschwerden der Reisenden herumschlagen wollen. Ich möchte auch nicht, ganz ehrlich, und abgesehen von diesem einen Mal habe ich auch nie jemanden im SBB-Outfit gesehen, der sich um die Implementierung des Ruhegebots gekümmert hätte. 

Aber ich erinnere mich, dass es manchmal, ganz selten, diese wunderbaren 50 Minuten zwischen Zürich und Luzern gab, wo kein Handy piepte, keine Trivialia ausgetauscht wurden und keine Mz-Mz-Mz-Geräusche aus fremden Kopfhörern mir entgegenrumpelten. Göttliche 50 Minuten, in denen ich las und langsam vom Arbeitsstress herunter- und erholt in meiner Stadt ankam.

Diese himmlische Ruhe wird es ohne Ruheabteile wohl nie mehr geben.

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das Sommerloch anhand eines Beispiels (aka Newsnetzille)

Das Sommerloch: die Zeit, in der alles stillsteht, die Zeit, in der Staatsmänner urlauben und jeder Mückenpups zum Elefantengegel aufgeblasen wird. Der Schreck aller Journalisten, aber vor allem der Zeitungsleser (oder der E-Konsumenten, wie das folgende Beispiel zeigt). Denn nichts verträgt sich schlechter als sommerloch-induzierte Langeweile auf der Redaktion in Kombination mit hitzeinduzierter Recherche-Faulheit. Aber schauen wir uns erstmal das Beispiel an.

Die massenmediale Konstruktion der Realität:
Tagi/Newsnetz "berichten" am 15. Juli von einem Unfall auf einer Baustelle auf dem Gotthard. [Hier geht's zum Screenshot.]

"Ein im Kanton Zürich wohnhafter Zimmermann ist am Mittwochmorgen auf einer Baustelle auf dem Gotthard-Pass acht Meter in die Tiefe gestürzt."

Der "Artikel" besteht aus vier Sätzen (inklusive Lead) und hat einen Interessantheitsgrad von, sagen wir mal, geringem Ausmass. Aber, zumindest das habe ich gelernt an der Uni, wenn es einen Bezug zum Lokalen gibt, besteht immer ein Nachrichtenwert. Und er arme Bauarbeiter ist offenbar ein Zürcher. Noch dazu gibt es ein Video. Man sieht zwei Minuten lang das Gebäude und ein paar Leute, die davor hin und her gehen. Zum Glück war jemand von Newspictures vor Ort, um alles aufzuzeichnen. Und auch die Rega war im Einsatz, ich meine: die Berichterstattung darüber ist nun wirklich ein Muss.

Die Konstruktion der Realität von einem, der es wissen muss:
Eine gut unterrichtete Quelle klärte mich gestern über drei Fehler in der newsnetzschen Berichterstattung auf. Erster Fehler: Es war kein Zimmermann, sondern ein Dachdecker, über den da berichtet wird. Zweiter Fehler: Der Mann stürzte nicht aus acht Metern in die Tiefe und brach sich alle Knochen, wie man vermuten könnte. Er durchtrennte sich lediglich eine Sehne an der Hand. Ein armer Kerl, aber hey: schon ein Unterschied zu einem Sturz, nicht? Fassen wir also kurz zusammen, bevor wir zum dritten und finalen Fehler kommen: Ein Dachdecker verletzt sich während der Arbeit und muss von der Rega abtransportiert werden, weil das vom Gotthardpass runter halt einfach deutlich schneller geht und er vielleicht gerne nicht allzu viel Blut verlieren möchte. So eine Nachricht schafft es eigentlich nicht mal während des Sommerlochs in die Medien. Doch die Herkunft des Handwerkers, das haben wir oben gesehen, schafft einen Bezug zum Leser. Bloss, liebe Newsnetzpraktikanten, da muss ich euch leider auch enttäuschen: Denn der Mann, und das macht diese "Berichterstattung" gänzlich zur Absurdität...

...war gar kein Zürcher.

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wenn Ständeräte auf die Verfassung pinkeln

Als Bloggerin habe ich ja auch eine gewisse Informationspflicht meiner werten Leserschar gegenüber. (Seid ihr auch alle da? Ja?) Deshalb aus aktuellem Anlass ein kleiner Input zum Thema Verfassungsrecht.

Wir haben ja eine Verfassung. Und was sollte man damit machen? Ja, bitte, da hinten in der Ecke? Richtig: sich daran halten. Das gilt für dich und mich, für alt und jung, für Frau, Mann und alles dazwischen.

Bloss für eine Lobby gilt das nicht: die Herren Transportunternehmer, Lastwägeler und Bauunternehmer. Ja, es gibt tatsächlich Leute, die Strassenverkehr ganz, ganz toll finden und darunter sogar solche, die es bis ins Parlament geschafft haben und sich nun dort für ihr Herzensthema stark machen: Freie Fahrt für freie Bürger - das ist das Motto, ganz egal, wenn dabei die Verfassung verletzt wird.

Denn wisst ihr, liebe Leser, darin gibt es seit 1994 einen Artikel, der folgendes besagt: "Die Transitstrassen-Kapazität im Alpengebiet darf nicht erhöht werden." (Bundesverfassung Artikel 84, Absatz 3) Nochmals zum Mitschreiben für die Langsamen: Die Transitstrassen-Kapazität (also all diejenigen Strassen, die für den Transitverkehr durch die Schweiz verwendet werden) darf nicht (also N.I.C.H.T.) erhöht (erhöht wie in erweitert, vergrössert, aufgeblasen, neu gebaut oder gebohrt) werden.

Und jetzt muss mir echt jemand erklären, wieso am Montag im Ständerat gleich zwei Vorstösse zum Thema zweite Gotthardröhre diskutiert werden.

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zu schnell und nichts dabei?

Wenn ein junger Mann ex-jugoslawischer Herkunft mit übersetzter Geschwindigkeit einen Unfall baut und dabei den Tod findet, heisst es in der Zeitung nur "Balkan-Raser mit 120 auf Landstrasse verunfallt". Es war halt mal wieder einer dieser testosterondurchfluteten und uneinsichtigen Südländer mit Dzemaili-Frisur, von denen man ja sowieso nichts anderes erwartet.

Wenn aber ein bekannter und gleichermassen geliebter wie verhasster österreichischer Politiker dasselbe Delikt verübt, ist es nichts weiter als eine Tragödie. Kein einziges Medium, in welchem ich heute blätterte, verliert auch nur ein Wort darüber, was Haider für einen Mist gebaut hat in jener Nacht. Nun soll man zwar über Tote nicht schlecht reden, aber Feststellungen wie "Er starb, wie er lebte: auf der Überholspur" sind zynisch und tragen bei zur gefährlichen Mystifizierung eines Rechtsradikalen und zur Verharmlosung des Delikts "mit 140 in der 70er Zone fahren". Deshalb, geschätzte Medien, redet Klartext, wie ihr es auch bei einem Kosovo-Albaner tun würdet, und thematisiert nicht bloss die menschliche Tragödie, die das Unglück trotz aller politischen Uneinigkeiten wohl darstellt.

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Urlaub powered by EM 2008

In verzweifelten Momenten (d.h. wenn es Ende Mai und saukalt ist, es draussen regnet, ich ein wenig erkältet bin und die Nase ausserdem auch voll vom Lernen habe) hilft es mir immer, etwas Schönes zu planen. Das nächste Wochenende. Einen Ausflug. Oder eben: die Ferien. Keine Ahnung, worin genau die Befriedigung besteht, Fahr- und Flugpläne durchzuklicken, den Atlas anzugucken und Reiseführer zu durchstöbern. Aber es hilft.

Bis anhin waren die Urlaubspläne vom MBW und mir sehr vage. Irgendeine Fahrt mit Interrail Richtung Westen sollte es sein, dort sollte es aber auch warm und sandig sein und natürlich muss eine lustige Sprache gesprochen werden. (Eine meiner liebsten Erinnerungen an den letztjährigen Hollandurlaub ist die Situation, als der MBW im Amsterdamer Restaurant die Rechnung orderte mit dem wohlvorbereiteten Satz "Ik wil graag betalen!", den uns ein paar Tage zuvor eine Kellnerin beigebracht hatte. Passenderweise erhob er just zu demjenigen Zeitpunkt seine Stimme, als im Restaurant kaum jemand sprach und so zogen wir so manchen Blick auf uns. Immerhin attestierte ihm eine holländische Ferienbekanntschaft einen guten Akzent, während sie mich eines türkischen Timbres bezichtigte. Ein harter Schlag.)

Gestern Abend thematisierten der Pseudo-Holländer und ich die Causa Ferien mal wieder. Allerdings wollte es uns irgendwie nicht so recht gelingen, Vorfreude aufkommen zu lassen. So liessen wir die Gedanken und den Blick über die Europakarte schweifen und plötzlich kam mir die Idee: "Komm, wir fahren einfach in jenes Land, das die Fussball-EM gewinnt."

Der MBW war sofort Feuer und Flamme und so gingen wir die Länder durch. Und tatsächlich: so schlimm sind die Aussichten nicht. Aber seht selbst:
  • Schweiz: Bei allem Fussballpatriotismus. "Sorry, ender weniger." (Bezogen natürlich auf die Finalteilnahme der Mannschaft. Man würde bestimmt auch einen netten Urlaubsort in unserem Land finden.)
  • Tschechien: Da war ich als noch knapp Minderjährige auf meiner ersten richtigen Reise und würde sofort wieder hinfahren. Zumal ich kaum was von Prag in Erinnerung gesehen habe...
  • Portugal: Falls es auf StudiVZ einen Anti-Cristiano-Ronaldo-Gruppe gibt, würde ich sofort beitreten. Zwei Wochen Ferien in Ronaldo-Country sollten aber drinliegen. Sofern diese Hackfresse nirgendwo auf unserer Route auftaucht.
  • Türkei: Istanbul! Da kann ich meinen türkischen Akzent endlich mal richtig ausleben.
  • Österreich: Wien! Wobei es auch hier eher unwahrscheinlich ist, dass diese Mannschaft den ViertelFinal erreicht.
  • Kroatien: Sprache, Strand und Sonnenschein - die Kriterien sind erfüllt, die Gewinnchancen intakt.
  • Deutschland: Das erste und einzige Mal in meinem Leben könnte es sein, dass ich mich freuen würde, wenn die Deutschen gewinnen. Denn das hiesse, dass ich meinen Urlaub in Berlin verbringen kann!
  • Polen: Das letzte mitteleuropäische Land, das ich noch nicht bereiste. Machen wir doch.
  • Niederlande: Falls es wirklich so weit kommt, dass Holland Europameister wird, müssen wir uns einen Alternativplan überlegen. Denn es kommt ja wohl nicht in die Tüte, zwei Sommer nacheinander im selben Land Urlaub zu machen. Vielleicht kann ja dann der Finalverlierer nachrutschen.
  • Italien: Oh, Italien. Gelobtes Land, Europameister meines Herzens. Das will ich sehen! Vacanze in Italia? Ohne zu zögern. (Die Müllkrise, die Mafia, Berlusconi, die Hetzjagd auf die Roma und andere Minderheiten...Die Politik thematisieren wir jetzt einfach mal nicht, auch wenn ich mir ihrer schmerzlich bewusst bin.)
  • Rumänien: Kommen wohl kaum sehr weit, würde ich aber unter Umständen auch bereisen.
  • Frankreich: Abgesehen davon, dass Italien Frankreich in den Gruppenspielen rauswerfen wird, ein valabler Urlaubskandidat.
  • Griechenland: Ebenfalls valabel. Aber auch nicht mehr.
  • Schweden: Der MBW ist nicht nur ein Pseudo-Niederländer, sondern auch noch ein Hobby-Schwede, weswegen ihm sowohl der EM-Sieg als auch die Aussicht, in den hohen Norden zu fahren, bestens in den Kram passen würde.
  • Spanien: Ja.
  • Russland: ähm, gibt es auch einen Joker? Denn Russland, bei allem Interesse, ist einfach zu weit weg, ergo zu teuer.
Diese EM, das kann ich euch versprechen, wird unter diesen Umständen für einmal einen ganz anderen Touch bekommen.
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Das Kunstproblem

Ich war im Museum und habe mich geärgert.

Auf dem Programm stand Andreas Gursky, dessen Metier grossformatige, bearbeitete Fotografien sind. In Basel zu sehen war also beispielsweise ein Riesenfoto vom Flughafen Frankfurt, welches die Ankunfts-/Abflugstafel zeigte, überdimensioniert, natürlich, also gephotoshopped, so dass die Flugbewegungen fast des ganzen Tages abgebildet wurde. Ein anderes Müsterchen: Eine Luftaufnahme vom Engadiner Skimarathon wird von Gursky so lange bearbeitet, bis es rund um die Langläufer herum nur noch eine weisse, glatte, unberührte Schneefläche hat und es werden einzelne Sportler herausgelöscht, bis der Tross eine bestimmte Form erreicht. (So meine Interpretation.)

Gursky fokussiere sich auf Orte, an denen sich die Menschen konzentrieren, auf Brennpunkte der Globalisierung und erzeuge durch die selbst gemachte Anordnung der Motive selbst wieder Strukturen, so in etwa die Erklärungen auf dem Faltblatt des Kunstmuseums Basel. Für mich als Soziologiestudentin war die Erklärung, er wolle nicht die Realität abbilden, sondern eine Konstruktion der Wirklichkeit bieten, nichts besonders Neues, aber ich freute mich darauf, dieses Prinzip in Bildern umgesetzt zu sehen.

Ich zog durch die Räume und liess die Werke auf mich wirken. Und plötzlich überkam mich der Ärger: Was will der überhaupt? Was ist daran eigentlich speziell? Was ist daran „Kunst“, ausser dem akkurat angewendeten Handwerk der Bildbearbeitung? Was haben diese Werke mit den Erklärungen im Prospekt zu tun? Wo bleibt die Aussage? Muss Kunst überhaupt etwas aussagen? Was will Kunst eigentlich vom Betrachter? Und letztlich kam ich an einen Punkt, an dem ich mich selber hinterfragte: Was will ich eigentlich von der Kunst?

Da ich Gursky sowieso nicht mehr richtig geniessen konnte, begann ich mir diese Frage zu überlegen: Wieso gehe ich überhaupt ins Museum? Ich kam auf zwei Antworten: Die eine impliziert Kunst als sinnliches, die andere Kunst als intellektuelles Erlebnis.

Ersterer ist, so glaube ich, der einfachere Weg, derjenige, den ich bei Gursky wohl mangels Information hätte gehen sollen. Augen auf, und eintauchen in Kompositionen und nicht zu viel überlegen, sondern zu geniessen versuchen. Dazu vielleicht noch ein passender Soundtrack, so wie es der junge Mann tat, den ich in der Neuen Nationalgalerie in Berlin beobachtete: Er schien entrückt von der Kombination von Dalì und Sigur Ròs. (Seither gehe ich viel öfter allein an Ausstellungen und setze mir dazu die Kopfhörer auf.) Klar, auch das sinnliche Erleben will gelernt sein, aber ich denke, den Zugang dazu hat man intuitiv.

Aber eben: Irgendwann kommt bei mir immer der Punkt, an dem ich ungeduldig und unzufrieden werde. Ästhetik allein, reicht das wirklich? Muss nicht mehr dahinter stecken? Und seien es nur bestimmte Techniken oder Ansätze, wie die Produktion von Kunst angegangen wird, es muss ja nicht gleich eine gesellschaftskritische Aussage sein. Wenn man diese Hintergründe kennt, beginnt wohl der intellektuelle Genuss. Diesen muss man sich aber hart erarbeiten und kann nicht mehr so einfach ins Museum latschen. Das heisst: intensive Vorbereitung oder Leute erklären lassen, die mehr wissen.

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eine kleine Geschichte aus meinem WG-Leben

Hört her, denn ich habe wieder Mitbewohnerinnen-News.

Sie mag neurotisch sein, und ich weiss jetzt wieso: Es muss an einem Mutterkomplex liegen. Aber von vorne.

Vor ein paar Tagen sagte sie zu mir und sie schämte sich, das konnte ich sehen: "Ich muss dir noch was sagen...also, nicht dass du falsch verstehst, das ist nicht meine Meinung, meine Mutter will das so..."

Hier sei mir ein kleiner Unterbruch erlaubt. Wir wohnen zu zweit. Sie ist zwei, drei Jährchen jünger als ich, lebt aber auch schon seit fünf Semestern nicht mehr zuhause. Aber Mamans Einfluss ist offenbar immer noch enorm.

"Sie möchte nicht, dass dein Freund hier übernachtet", sagte sie zu mir, und ich dachte mir bleibt die Luft weg, "aber mir ist es egal, ehrlich. Es wäre vielleicht einfach gut, wenn er nicht da ist, wenn sie vorbeikommt."

Sie kommt vorbei? Höre ich recht? Fährt sie dann mit dem Zeigefinger über Tablare, sucht im Kühlschrank nach verdorbenen Waren und überprüft den Inhalt des Nachttischs?

"Mais...elle vient souvent? Elle vient LE WEEKEND?!?", mir dämmerte, wass diese Aussage für mich heissen könnte. Keine Besuche des MBW mehr (der für Maman offenbar von der Gefährlichkeit eines Kindermörders, Bankräubers oder Frauenbelästigers zu sein scheint), ohne ständig damit rechnen zu müssen, dass plötzlich die Wohnungstür auffliegt: "Coucou!"

Doch meine Coloc vermochte mich zu beruhigen: "Nein, nein, sie kommt nur, wenn ich auch da bin. Das nächste Mal am Donnerstag."

Gut, dass ich das weiss. So konnte ich mich darauf vorbereiten, mindestens bis acht Uhr abends in der Biblio zu bleiben und zu arbeiten. Dieser Dame möchte ich nämlich auf keinen Fall über den Weg laufen und "Enchantée, Madame" heucheln müssen.
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schlechter Tag

Begann alles schon damit, dass ich mich im Spiegel betrachtete und aussah wie Robert Smith. Bloss ohne die blutroten Lippen. Trauriger Anblick, anyway. Wär vielleicht doch besser liegen geblieben, doch dann hätt ich die Vorlesung über allgemeine Wirtschaftsgeschichte verpasst, was ein grosser Verlust gewesen wäre, wäre mir doch die grossartigen Erkenntnis entgangen, dass im Europa des 16. Jahrhunderts Wirtschafts- mit Bevölkerungswachstum einherging. Das war im Grossen und Ganzen alles, was mir diese zwei Stunden brachten. Dann Kaffeepause. Der Automat lieferte nur Dreck, ein Wunder macht mein Magen das mit. Dass es in der Mensa ganz vorzüglichen Bohnenkaffee gibt, in Espressogrösse für zwei Franken, merkte ich erst zu spät. Anschliessend häuften sich die Hiobsbotschaften. Es gibt Sprachkurse hier und Tandems, doch ausgerechnet in meinen Unterlagen waren keine Anmeldeformulare dabei. Hätte die heutige Informationssitzung dazu glatt verpasst, wenn mich nicht per Zufall jemand drauf angesprochen hätte. Google-Mail geht nicht, Mails checken entfällt. Missverständnisse bei der Studienberatung (E-Mails werden prinzipiell nicht beantwortet, man muss anrufen, selbstverständlich gibt es nur ein winziges Zeitfenster), Missverständnisse bei der Vorlesungsanmeldung. Die Nase voll von der Seminararbeit, die ich schreibe, und ausserdem ein ganz schlechtes Gefühl. Allgemeines Unwohlsein in der Bibliothek, da keine frische Luft, latent vorhandene Geräuschkulisse und eklige Tastaturen. Allgemeines Unwohlsein in der WG, da die Mitbewohnerin noch neurotischer ist als ich annahm (Stichwort: Aufräumfimmel, Putzfimmel, Trampeltier). Abgesplitterter Nagellack, Bauchweh, heisse Füsse, schlechte Laune.

Und dabei ist doch erst Mittag...
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