Don't: Den Freund anrufen, fest damit rechnen, dass dieser den Hörer abnimmt und sich fast verschlucken beim verzweifelten Versuch, den Schwiegervater in spe nicht bemerken zu lassen, dass sich der eben angebissene Gnoccho immer noch im Stadium der Zerkleinerung befindet.
(Und nein, ich esse eigentlich nicht, wenn ich telefoniere - jedenfalls nicht ohne Erlaubnis des Gesprächspartners. Gestern aber kam ich um halb zehn erst nach Hause und war so ausgehungert, dass ich mir den Gluscht-Gnoccho mit Butter-Salbei-Sauce einfach nicht verkneifen konnte.)
(Und ja, ich bin 12 Stunden später, also jetzt, schon wieder an der Uni.)
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by zwischenbericht
@ 28.02.2008 20:56 CEST
Hört her, denn ich habe wieder Mitbewohnerinnen-News.
Sie mag neurotisch sein, und ich weiss jetzt wieso: Es muss an einem Mutterkomplex liegen. Aber von vorne.
Vor ein paar Tagen sagte sie zu mir und sie schämte sich, das konnte ich sehen: "Ich muss dir noch was sagen...also, nicht dass du falsch verstehst, das ist nicht meine Meinung, meine Mutter will das so..."
Hier sei mir ein kleiner Unterbruch erlaubt. Wir wohnen zu zweit. Sie ist zwei, drei Jährchen jünger als ich, lebt aber auch schon seit fünf Semestern nicht mehr zuhause. Aber Mamans Einfluss ist offenbar immer noch enorm.
"Sie möchte nicht, dass dein Freund hier übernachtet", sagte sie zu mir, und ich dachte mir bleibt die Luft weg, "aber mir ist es egal, ehrlich. Es wäre vielleicht einfach gut, wenn er nicht da ist, wenn sie vorbeikommt."
Sie kommt vorbei? Höre ich recht? Fährt sie dann mit dem Zeigefinger über Tablare, sucht im Kühlschrank nach verdorbenen Waren und überprüft den Inhalt des Nachttischs?
"Mais...elle vient souvent? Elle vient LE WEEKEND?!?", mir dämmerte, wass diese Aussage für mich heissen könnte. Keine Besuche des MBW mehr (der für Maman offenbar von der Gefährlichkeit eines Kindermörders, Bankräubers oder Frauenbelästigers zu sein scheint), ohne ständig damit rechnen zu müssen, dass plötzlich die Wohnungstür auffliegt: "Coucou!"
Doch meine Coloc vermochte mich zu beruhigen: "Nein, nein, sie kommt nur, wenn ich auch da bin. Das nächste Mal am Donnerstag."
Gut, dass ich das weiss. So konnte ich mich darauf vorbereiten, mindestens bis acht Uhr abends in der Biblio zu bleiben und zu arbeiten. Dieser Dame möchte ich nämlich auf keinen Fall über den Weg laufen und "Enchantée, Madame" heucheln müssen.
Es scheint auf dieser Welt ganz göttliche Produkte zu geben, von denen Normalsterbliche nichts wissen. Es sei denn, sie fragen sich, wieso Kratzen eigentlich gegen Juckreiz hilft und googlen das Wort "kratzen". Neugierig könnte man da beim zweiten Eintrag werden: "Wir sind einer der führenden Hersteller von Kratzengarnituren in Europa." Und schon ist man eingetaucht in das herrlich absurd-unverständliche Universum der Kratzen. Ich kann immer noch nicht so recht sagen, was das ist, will es eigentlich auch gar nicht wissen.
Wusstet ihr, dass es so etwas wie Spinnkratzen und Baumwollkratzen gibt? Und dass letztere u.a. auf Trützschler Karden angewendet werden? Ich meine: Trützschler Karden! Hallo? Noch dazu gibt es von denen verschiedene Anwendungsbereiche, einer davon heisst Deckelstripsband.
Ich dachte, ich ersticke vor Lachen.
Die Wahlen im Oktober wurden ja grosso modo von der SVP gewonnen. Ist es richtig, die daran anschliessenden Wahlniederlagen in Zürich (Ueli Maurer nicht gewählt, Ulrich Schlüer rückt nicht nach) und St. Gallen (Toni Brunner trotz Bestresultat im ersten Wahlgang nicht gewählt) sowie die Abwahl von Bundesrat Blocher als direkt darauf bezogene Gegenreaktionen zu sehen oder ist das nur Wunschdenken meinerseits?
Ich meine, es ist doch durchaus vorstellbar, dass die SVP-Gewinne im Oktober massgeblich dazu beigetragen haben, dass mehr Leute gegen die SVP gestimmt haben und dass einige im bürgerlichen Lager mobilisiert wurden, am 12. Dezember Widmer-Schlumpf zu wählen, oder?
Und verzeiht mir, falls diese These schon ausführlichst in der Arena diskutiert wurde. Ich habe schon lange keinen Fernseher mehr.
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by zwischenbericht
@ 19.02.2008 13:12 CEST
Begann alles schon damit, dass ich mich im Spiegel betrachtete und aussah wie
Robert Smith. Bloss ohne die blutroten Lippen. Trauriger Anblick, anyway. Wär vielleicht doch besser liegen geblieben, doch dann hätt ich die Vorlesung über allgemeine Wirtschaftsgeschichte verpasst, was ein grosser Verlust gewesen wäre, wäre mir doch die grossartigen Erkenntnis entgangen, dass im Europa des 16. Jahrhunderts Wirtschafts- mit Bevölkerungswachstum einherging. Das war im Grossen und Ganzen alles, was mir diese zwei Stunden brachten. Dann Kaffeepause. Der Automat lieferte nur Dreck, ein Wunder macht mein Magen das mit. Dass es in der Mensa ganz vorzüglichen Bohnenkaffee gibt, in Espressogrösse für zwei Franken, merkte ich erst zu spät. Anschliessend häuften sich die Hiobsbotschaften. Es gibt Sprachkurse hier und Tandems, doch ausgerechnet in meinen Unterlagen waren keine Anmeldeformulare dabei. Hätte die heutige Informationssitzung dazu glatt verpasst, wenn mich nicht per Zufall jemand drauf angesprochen hätte. Google-Mail geht nicht, Mails checken entfällt. Missverständnisse bei der Studienberatung (E-Mails werden prinzipiell nicht beantwortet, man muss anrufen, selbstverständlich gibt es nur ein winziges Zeitfenster), Missverständnisse bei der Vorlesungsanmeldung. Die Nase voll von der Seminararbeit, die ich schreibe, und ausserdem ein ganz schlechtes Gefühl. Allgemeines Unwohlsein in der Bibliothek, da keine frische Luft, latent vorhandene Geräuschkulisse und eklige Tastaturen. Allgemeines Unwohlsein in der WG, da die Mitbewohnerin noch neurotischer ist als ich annahm (Stichwort: Aufräumfimmel, Putzfimmel, Trampeltier). Abgesplitterter Nagellack, Bauchweh, heisse Füsse, schlechte Laune.
Und dabei ist doch erst Mittag...
Als ich sah, was für Halbschuhe, Fuzzis, Blindgänger, Nullen, Idioten, Dummschwätzer Leute im Heimatkanton für den Landrat kandidieren, wenig überraschend für die Partei mit der Sonne im Logo, blieb mir die Bratkartoffel im Halse stecken.
Aus Rücksicht auf meine Verdauung und meine psychische Gesundheit sollte ich die Regionalzeitung besser nicht mehr lesen.
Erfrischend ist es, am Morgen im Bus mit den folgenden Worten begrüsst zu werden: "Excusez-moi Mademoiselle, vous êtes très jolie."
Echt, jetzt: sicher die Hälfte der neuen Posts in meinem Feedreader beschäftigte sich heute Morgen mit dem Start der neuen Staffel von Grey's Anatomy. (Das ist die Sendung, bei der ich immer fast heulen muss, wobei ich mich jedes Mal selber ganz, ganz, ganz ausgesprochen doof finde, und die ich deshalb nur alleine schauen kann.) Ich würde mir das Material ja auch auf Französisch anschauen - vielleicht würde das auch das Flennpotential vermindern - aber wir haben keinen Fernseher. Das heisst, ich muss auch auf die neue Staffel 24 verzichten, welche im März starten soll. (Das ist die Serie, von der ich mir, sofern auf DVD erhältlich, auch gerne alle 24 Folgen innert zweier Tage reinziehen kann, wobei mich das ziemlich paranoid macht und ich anschliessend beim Zeitunglesen überall Verschwörungen wittere.) Ah, 24, erinnerst du dich, K.? Schön war das, mit Kaffejoghurt in der einen und Rauchwaren in der anderen Hand am Montagabend vor dem TV...
Genug der Nostalgie. Ach nein, doch nicht: Twin Peaks muss ich noch erwähnen, wenn ich schon mal über TV-Serien blogge. Das ist der wahre Stoff, ehrlich. So was absurdes und surreal lustiges hab ich noch selten gesehen, und mich gleichzeitig schon lange nicht mehr so sehr gegruselt.
Und zum Abschluss noch das wohl unoriginellste Wortspiel des Jahres bisher: Gruscheltier. Ha ha.
Au revoir, meine Lieben. Ich widme mich jetzt wieder der Arbeit.
Sweeney Todd - ein Grund Vegetarier zu werden.
Trotzdem war der Film ein Vergnügen: In optischer Hinsicht sowieso (Burton ist einfach der Meister des Fantastisch-Realistischen), aber auch deshalb, weil der Bogen von der Komödie zum sophokleisch anmutenden Drama einleuchtend geschlagen wird und es weil es so herrlich absurd ist, wie die "boucherie" musicalmässig untermalt wird.
Der heimliche Star des Films ist übrigens
Sacha Baron Cohen als italienischer Barbier - einfach nur köstlich. Womit ich Herrn Cohen hiermit offiziell Absolution für Borat erteile.
Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Meine Mitbewohnerin in der welschen Stadt, wo ich die nächsten Monate leben werde, ist noch pingeliger als ich. (Ja, ich war auch sehr erstaunt, dass das möglich ist.) Ich war noch keine 24 Stunden da, als es schon hiess: "Das Litermass benützen wir übrigens nur zum Abmessen von Lebensmitteln. Zum Trinken kannst du einen von den anderen Krügen benützen."
Okay...