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schwarze (Block und eine Herde) Schafe

Dass sie mich emotional mitnimmt, liebe und hasse ich an der Politik. Für etwas zu kämpfen, fühlt sich gut an, vor allem wenn man etwas erreicht. Scheitern ist bitter, zerbricht einen aber nicht. Ignoranz ist es, die einen fertig macht.

Ich war da, in Bern, als sich gestern so einiges abspielte. Ich feierte auf dem Münsterplatz die gute Sache auf friedliche Art und Weise. Ich kriegte zusammen mit Tausenden anderen Unschuldigen Tränengas ab, als die Polizei in einer Nebengasse welches einsetzte. Obwohl ich nichts getan hatte. Unsere Veranstaltung wurde auch nicht aufgelöst, wie das inkompetente 20minuten meldete. Man sehe sich die Videos auf deren Website an: Das sind doch niemals im Leben 100 Schwarzblöckler auf dem Bundesplatz! Und es waren auch niemals 10'000 SVP-Anhänger, die am Bärengraben ihrem Obersten huldigten. Wo hätte diese Herde denn Platz finden sollen? Auf dem Münsterplatz hatte es vielleicht 2000 Leute und davon soll ein Viertel in die Gassen der Altstadt abgewandert sein, wo sie sich der Polizei und der SVP in den Weg stellten? Also bitte. Woher kommen diese Zahlen eigentlich? Wieso übernehmen alle Medien diesen Stuss derart undifferenziert?

Medien berichten, wie es ihre Logik ist, über das Aufsehen Erregende. Auch interessant zu lesen aber wäre: Da gab es Faschos, die uns bedrohten, da waren Menschen, die friedlich demofeierten, die gegen eine höchst fragwürdige Partei, ihre höchst fragwürdige Politik und deren Anhänger protestierten. Friedlich, verdammt. Natürlich waren da auch Chaoten, darunter teilweise noch nicht mal stimmberechtigte Kinder, die nur da waren, um Scheisse zu bauen. Aber auch das überrascht keinen. Dass es gewaltsame Ausschreitungen geben würde, auch wenn es keine Rechtfertigung dafür gibt, war abzusehen. Es ist kurzsichtig von der SVP, zu erwarten, im derzeit eh schon enorm aufgeheizten politischen Klima einen Marsch auf Bern durchführen zu können, ohne dass sich der politische Gegner gegen diese Vereinnahmung wehrt, wie wir das getan haben. Die Gewalt übte eine Minderheit aus und das ohne die Unterstützung der Mehrheit.

Das ist die Ignoranz, die mich fertig macht.

Verständlich, dass sich die Menschen auf dem Bundesplatz fürchteten, als der Schwarze Block alles kurz und klein schlug. Meine Angst aber stellt sich täglich ein. Es ist beklemmend, die Zeitung aufzuschlagen, die rassistischen Plakate in den Strassen zu sehen oder des B-Bundesrats blecherne Stimme aus Lautsprechern klirren zu hören. Täglich fürchte ich mich, und zwar nicht vor einer militanten Mini-Minderheit, sondern vor der Politik einer Bundesratspartei.

Und wer sitzt am Ende wohl am längeren Hebel: der Schwarze Block oder die grösste Partei der Schweiz?
Comments (6)  Permalink

comments

rah @ 08.10.2007 09:08 CEST
danke für deinen eintrag - ganz meine meinung. schade, dass wir uns nicht getroffen haben...;)

zur verteidigung der medien möchte ich anfügen, dass diese von der "linken seite" her oft viel schlechter angegangen und informiert werden und auch deshalb eine rechtslastigkeit in der berichterstattung stattfindet. ich als medienschaffende wurde noch prakisch nie mit einem communiqué aus den reihen der alternativen versorgt, obwohl ich diese (persönlich) immer wieder dazu auffordere. bis zu einem gewissen grad kann man da nämlich einfluss nehmen...
mich wundert es daher nicht, dass der schwarze block die gesamte aufmerksamkeit abbekommt.

aber ja, ein bisschen dumm sind sie schon die medien, ich gebs ja zu :)
gruss,
r
8ght? @ 08.10.2007 09:08 CEST
[quote]Es ist kurzsichtig von der SVP, zu erwarten, im derzeit eh schon enorm aufgeheizten politischen Klima einen Marsch auf Bern durchführen zu können, ohne dass sich der politische Gegner gegen diese Vereinnahmung wehrt, wie wir das getan haben.[/quote]

Und ob das kurzsichtig ist, strategisch kurzsichtig und leider brilliant! Der letzte Samstag war wohl die perfekte Wahlpropaganda für die SVP!
Und wenn man die Flyer der Gegendemo sieht, ist die unterschwellige Mitteilung von Gewalt kaum zu ignorieren.

Schade für die engagierten Jungpolitiker, die dachten, dass eine Gegendemo etwas sinnvolles sei.



[quote]Und wer sitzt am Ende wohl am längeren Hebel: der Schwarze Block oder die grösste Partei der Schweiz?[/quote]

Ein schlechter vergleich ...
die vom zwischenbericht @ 08.10.2007 09:37 CEST
@rah: das erlebe ich selber immer wieder. die medien müssen doch gefüttert werden! :) es nähme mich aber wirklich wunder, wer die schätzungen vorgenommen hat, die in allen medien übernommen werden. der heutige tagi hat z.b. keine einzige zahl mehr drin - ein zugeständnis?
sehr schade, dass wir uns nicht getroffen haben, wirklich!

@8ght?: ach ja, du hast schon recht. ich war natürlich nicht so naiv, zu glauben, dass die gegenveranstaltung nicht zum joker für die svp werden könnte und habe mir deshalb auch lange überlegt, ob ich wirklich hingehen sollte. aber letztlich fand ich, dass möglichst viele "normale" den münsterplatz besuchen und friedlich feiern sollten, um zu zeigen, dass es auch anders geht, als so, wie es die blackblockers gezeigt haben.
8ght? @ 08.10.2007 09:53 CEST
klar, ich habe es ernsthaft in erwägung gezogen, nach bern zu gehen. aber wieso wird die gegenveranstaltung parallel durchgeführt? das kann nicht funktionieren.

sicherer, vielleicht mit weniger wirkung, wäre eine ähnliche Veranstaltung, wie die der SVP, am kommenden Wochenende.

Naja, wieder einmal hat sich gezeigt, dass man viel zu rücksichtig mit den Chaoten ist. Härteres durchgreifen auf ganzer Linie und darunter verstehe ich nicht Gummischrot&Tränengas, sondern Gummiknüpel&Haftstrafen!
dis "lieblings" cousindli.. :) @ 08.10.2007 10:43 CEST
hmmmm.. "marsch gegen bern" ich bi das weekend grad z rom gsi und irgendwie chunnt mier das verdammt bekannt vor..
zett @ 16.10.2007 12:21 CEST
Betreff Zahlen: so viel ich weiss, stammen solche Zahlen in der Regel von der Polizei.

Betreff Tränengas: ist schon nichts angenehmes, gell? hab mal in der RS eine Ladung abbekommen:). gib aber nicht der Polizei die Schuld fürs Tränengas sondern den Schwarzblöcklern.

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