unterwegs mit der Russen-Mafia
Die Sonne hatte gebrannt und die ungewohnte körperliche Aktivität hatte das Ihrige dazu beigetragen, dass K. und ich verschwitzt, aber glücklich nach einer nur zweistündigen Wanderung in einem Urner Kaff ankamen. Zur Vollendung des gemütlichen Tags in den Bergen fehlte eigentlich nur noch eines: der Sprung in die erfrischende Umarmung des Urner Sees. Leider sah es ganz so aus, als ob K. und ich den Bus verpassen würden. Die Kraft, zu rennen, fehlte zu diesem Zeitpunkt und so streckte ich verzweifelt bei jedem vorüberfahrenden Auto den Daumen raus.
Lange Zeit schien sich keiner der Automobilisten erbarmen zu wollen.(Ich würde, ehrlich gesagt, auch keine potentiell schweisselnden Wanderer einladen...) Doch der Zuger Mercedes hielt an. Erstaunlicherweise, denn ein Blick ins Innere des Schlittens offenbarte, dass eigentlich nur noch Platz für eine Person war. Trotzdem liess ein Insasse im Fond des Wagens das Fenster herunter und rief uns lässig zu:
- "Hallo Ladies! Wo müsst ihr denn hin?"
- "Ins Kaff runter... Habt ihr Platz?"
- "Na klar, steigt ein!"
Dankbar erklommen wir den Rücksitz und quetschten uns zwischen zwei Enddreissiger. Neben K. sass Simon, der mit Secondo-Akzent nicht viel Substantielles zur Diskussion beitrug. Mein Nachbar war der Wortführer, ein kleiner, glatzköpfiger Mann, dem schon nach wenigen Sätzen sein gesellschaftlicher Status anzumerken war: neureich, lässig, selbstüberzeugt. Gefahren wurde der Mercedes von Jack, einem Mann von wenigen Worten und stahlblauen, kalten Augen. Auf dem Beifahrersitz sass vermutlich Jacks Gschpuusi, die nur einen einzigen Satz von sich gab, nämlich: "Wos mochsch du?" Der ostslawische Akzent war unüberhörbar.
Der obligate Small Talk, der primär vom kleinen Glatzkopf bestritten wurde, offenbarte Erstaunliches. Nicht nur waren wir in ein neureiches High-Society-Grüppchen geraten - das andauernde Gerede von "MEIN Schiff", "MEIN Seeanstoss" und "MEINE russischen Kunden" sowie die Ledersitze sprachen Bände. Die vier schienen auch auf einer ganz seltsamen Mission zu sein. "Wir haben eine Brotmaschine und Kleider von einer Alp herunter getragen und sie jemandem übergeben. Der ist jetzt bereits auf dem Weg ins Graubünden." Hat man jemals eine seltsamere Erklärung für einen Wanderausflug gehört? Als dann auch noch die Erklärung für den Transfer folgte, wurde mein Mund trocken: "Der Senn ist ein Bekannter von mir, er musste vor jemandem flüchten, der ihn umbringen wollte."
Wo waren wir da bloss hineingeraten?
Den Rest der Fahrt über taten wir alles, um heikle Themen zu vermeiden. Für den letzten Teil steuerte Jack den Mercedes auf die Autobahn und ich dachte mir bloss, was, wenn wir jetzt mit 120 einen Unfall bauen? Unangeschnallt, zu Viert auf dem Rücksitz? Als uns Simon auch noch zu sich nach Hause - SEIN Seeanstoss - zum Baden einladen und unsere höfliche Absage nicht akzeptieren wollte, griff K. zu einer Notlüge. Die Stimmung im Auto wurde immer unerträglicher. Konnte es sein, dass ich nach Jahren erfolgreichen und ungefährlichen Autostöpplens nun für meinen Leichtsinn bestraft wurde? Wer waren diese Leute? Wie passten der kalte Jack, der joviale Glatzköpfige, die stumme Russin und der doofe Simon zusammen? Irritierte mich einfach ihre mondäne Art oder stimmte mit ihnen auch sonst etwas nicht?
Die Aktion nahm jedoch ein gutes Ende, und natürlich liessen wir uns bis zum Badeplatz chauffieren - wenn schon, denn schon - und verliessen dort erleichtert das Auto. Kaum waren die Zuger ausser Sichtweite, begann das Geläster (und Stoff dafür hatten wir reichlich).
Und das Fazit? Darf sich jetzt jeder selber aussuchen:
[ ] Autostöpplen macht Spass!
[ ] Autostöpplen kann saumässig ins Auge gehen.
[ ] Ich will Jacks Handynummer.
[ ] Es gibt schon seltsame Leute.
[ ] Der Urner See ist der schönste See der Welt.
[ ] Die vom Zwischenbericht ist ein leichtsinniges Huhn und der Muskelkater geschieht ihr ganz recht.
Lange Zeit schien sich keiner der Automobilisten erbarmen zu wollen.
- "Hallo Ladies! Wo müsst ihr denn hin?"
- "Ins Kaff runter... Habt ihr Platz?"
- "Na klar, steigt ein!"
Dankbar erklommen wir den Rücksitz und quetschten uns zwischen zwei Enddreissiger. Neben K. sass Simon, der mit Secondo-Akzent nicht viel Substantielles zur Diskussion beitrug. Mein Nachbar war der Wortführer, ein kleiner, glatzköpfiger Mann, dem schon nach wenigen Sätzen sein gesellschaftlicher Status anzumerken war: neureich, lässig, selbstüberzeugt. Gefahren wurde der Mercedes von Jack, einem Mann von wenigen Worten und stahlblauen, kalten Augen. Auf dem Beifahrersitz sass vermutlich Jacks Gschpuusi, die nur einen einzigen Satz von sich gab, nämlich: "Wos mochsch du?" Der ostslawische Akzent war unüberhörbar.
Der obligate Small Talk, der primär vom kleinen Glatzkopf bestritten wurde, offenbarte Erstaunliches. Nicht nur waren wir in ein neureiches High-Society-Grüppchen geraten - das andauernde Gerede von "MEIN Schiff", "MEIN Seeanstoss" und "MEINE russischen Kunden" sowie die Ledersitze sprachen Bände. Die vier schienen auch auf einer ganz seltsamen Mission zu sein. "Wir haben eine Brotmaschine und Kleider von einer Alp herunter getragen und sie jemandem übergeben. Der ist jetzt bereits auf dem Weg ins Graubünden." Hat man jemals eine seltsamere Erklärung für einen Wanderausflug gehört? Als dann auch noch die Erklärung für den Transfer folgte, wurde mein Mund trocken: "Der Senn ist ein Bekannter von mir, er musste vor jemandem flüchten, der ihn umbringen wollte."
Wo waren wir da bloss hineingeraten?
Den Rest der Fahrt über taten wir alles, um heikle Themen zu vermeiden. Für den letzten Teil steuerte Jack den Mercedes auf die Autobahn und ich dachte mir bloss, was, wenn wir jetzt mit 120 einen Unfall bauen? Unangeschnallt, zu Viert auf dem Rücksitz? Als uns Simon auch noch zu sich nach Hause - SEIN Seeanstoss - zum Baden einladen und unsere höfliche Absage nicht akzeptieren wollte, griff K. zu einer Notlüge. Die Stimmung im Auto wurde immer unerträglicher. Konnte es sein, dass ich nach Jahren erfolgreichen und ungefährlichen Autostöpplens nun für meinen Leichtsinn bestraft wurde? Wer waren diese Leute? Wie passten der kalte Jack, der joviale Glatzköpfige, die stumme Russin und der doofe Simon zusammen? Irritierte mich einfach ihre mondäne Art oder stimmte mit ihnen auch sonst etwas nicht?
Die Aktion nahm jedoch ein gutes Ende, und natürlich liessen wir uns bis zum Badeplatz chauffieren - wenn schon, denn schon - und verliessen dort erleichtert das Auto. Kaum waren die Zuger ausser Sichtweite, begann das Geläster (und Stoff dafür hatten wir reichlich).
Und das Fazit? Darf sich jetzt jeder selber aussuchen:
[ ] Autostöpplen macht Spass!
[ ] Autostöpplen kann saumässig ins Auge gehen.
[ ] Ich will Jacks Handynummer.
[ ] Es gibt schon seltsame Leute.
[ ] Der Urner See ist der schönste See der Welt.
[ ] Die vom Zwischenbericht ist ein leichtsinniges Huhn und der Muskelkater geschieht ihr ganz recht.
comments
die vom zwischenbericht
@ 16.08.2007 16:43 CEST
vollkommen richtige entscheidung, verehrte k! (wie siehts bei dir mit muskelkater aus?)
vollkommen richtige entscheidung, verehrte k! (wie siehts bei dir mit muskelkater aus?)
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