Inge Viett
Gibt es eigentlich schon einen Watch-Blog zur Neuen Luzerner Zeitung? Was die an SVP-Rhetorik bietet, geht manchmal echt auf keine Kuhhaut. Sie ist suggestiv, konservativ und ergreift Partei.
Heute Abend liest die ehemalige RAF-Terroristin Inge Viett im Kulturzentrum Boa aus ihrem Buch. Die Frau hat ihre mehrjährige Haftstrafe für versuchte Tötung abgesessen und ist nun als Schriftstellerin tätig. Dass ich hingehen werde, versteht sich von selbst, ich finde das Entstehen von terroristischen Bewegungen in Europa ein spannendes, wenn auch kritisch zu beurteilendes Thema.
Konservative Kreise versuchten alles, um die Veranstaltung zu verhindern. Die Boa war diesen Kreisen ja schon immer ein Dorn im Auge. Öffentliche Gelder für die Jugend? Bloss nicht. Die Lesung wird aber trotzdem durchgeführt - kein Wunder: Den Event abzusagen käme einer Beschneidung der Meinungsfreiheit gleich. Kaum vorzustellen, was das für die Demokratie und den Rechtsstaat bedeuten würde und ein Grund mehr, Flagge zu zeigen.
Denn je mehr Leute da hin gehen, die augenscheinlich keine Terroristen sind und die auch nicht die Abschaffung des Kapitalismus fordern, sondern sich aus professionellen Gründen (schliesslich studiere ich Geschichte) für das Thema interessieren, desto klarer tritt für die Öffentlichkeit zu Tage, wie unrecht die Blocher-Partei und das Kampfblatt NLZ mit seiner rechtslastigen Berichterstattung haben.
comments
Wenn du so für Meinungsäusserungsfreiheit bist, warum nimmst du es den konservativen Kreisen dann übel, wenn sie ihre Meinung zu einem Thema äussern? Es gibt ja nicht nur die NLZ. Es gibt auch Zeitungen die überwiegend linke Ansichten vertreten. Zudem habe ich von der NLZ nicht den Eindruck, dass sie im Allgemeinen zu einseitig berichtet. Gruss
ps. morn go fast food foodä?
- Nein, ich nehme den erwähnten Kreisen nicht übel, dass sie ihre Meinung äussern, sondern nur, dass diese die Meinungsäusserungsfreiheit zu unterbinden versucht.
- Doch, ich finde, dass die NLZ generell zu einseitig urteilt bei gewissen Themen.
- Fast Food fällt leider aus - bin am Open Air St. Gallen am Schlammwrestling betreiben! Ein anderes Mal?
Grüsse von der vom Zwischenbericht
damn... ich wür SOOOOO gärn mitcho!! wiso cha si nid erscht nöscht wuche cho, wenn ich die huere prüfige verbi ha!?!? zja.. aber mier gend gliich eine dure am weekend, und uf üsers gemeinsame "schicksal" (ich säg nur, telefonat vo geschter!!) müemer sowiso no eis trinke (oder eher drüü)!!! :)
die diskussion geht doch unter anderem auch darum, dass man überhaupt eine person mit solch extremen gedankengut einlädt. ich sehe da das problem.
das wäre so ziemlich das selbe, wenn ein alter ss-scherge, der sich nie von seinen taten distanziert hat, heute eine vorlesung hielt.
meiner meinung nach sollte solche extremisten keine öffentliche plattform für freie meinungsäusserung erhalten. und inge viett ist nun halt mal eine extremistin ...
@ 8ght
Ist denn ein SS-Scherge und ein RAF-Mitglied für Dich das selbe, weil beides "Extremisten" sind? Der schwammige Begriff des "Extremismus" beschreibt ja nur die Form und nicht den Inhalt. Ist ein Nazi, der nicht so extrem ist (weil er vielleicht gerade kein KZ geleitet hat), nicht so schlimm?
Mit Deiner Argumentation drückst Du Dich um die inhaltliche Auseinandersetzung, was wohl irgendwie Objektivität suggerieren soll.
Klar ist es nicht das selbe. Die Problematik jedoch kann durchaus verglichen werden ...
1. Beide sind überzeugt von ihrer "Ideologie", wenn man dem so sagen darf
2. Beide begehen systematisch Morde
3. Beide heben sich durch die Identifikation mit dem Gedankengut von der gemeinen Masse ab (sei es von "RAF-Sympathisanten", die nicht gewaltbereit sind oder von wehrpflichtigen Deutschen, die mit den Nazis nichts am Hut hatten und aus Furcht für sie dienten)
Natürlich gibt es auch graviernde Unterschiede (Staatsterror vs Ideologie, Reichweite, etc.)
Fakt ist, dass die Boa eine Plattform für die Vermittlung extremistischem Gedankengut bietet (keine Ahnung was die Dame zu erzählen hat ...), was meiner Meinung nach nicht in Ordnung ist.
Speziell finde ich die Faszination, die von der RAF ausgeht (vor allem im deutschsprachigen Raum). Es gibt wohl keine Terror-Organisation, die so viele Sympathisanten hat. Keine Ahnung woher das kommt ... (siehe auch Verherrlichung von "Che", was ich auch nicht verstehe :))
Meinungsfreiheit hört für mich da auf, wo andere Leute zu Schaden gekommen sind. Organisationen deren einziges Mittel Gewalt ist/war, gehören nicht an öffentliche Rednerpulte!
Zweifellos müsste man den Terror zurück in die Weltstädte bringen, dorthin, wo Terror einst begann, und dorthin, wo man dies Spektakel verunsichern oder verwirren könnte. Nur leider ist Terrorismus heutzutage symbolisch, kratzt wennschon an der Oberfläche, aber bewirkt nichts Substanzielles. Weder die RAF noch die gewaltbereiten Islamisten besitzen eine Alternative. Sie sind, wie man gern will, lediglich der Symbolik willen überhaupt medial präsent: vermeintlich deswegen, dass die «Macht» dank Störenfrieden sich legitimieren kann dadurch, indem sie die Böswilligen ausgrenzt. Naja, egal. Diente ich der RAF, würde ich mein Leben nun auch vermarkten, ins Warensystem eingliedern.
Hat das bei Dir, 8ght, irgendwie System, sich um die inhaltliche Auseinandersetzung zu drücken? Find' ich noch interessant.
Tanzender Anarchist @ 29.06.2007 17:37 CEST
Hat das bei Dir, 8ght, irgendwie System, sich um die inhaltliche Auseinandersetzung zu drücken? Find' ich noch interessant.
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sehe da eine gewisse ironie in deiner antwort, da du dir selbst widersprichst ...
und vor allem muss ich das von jem. anhören, der mit fragen, bzw non-sense auf argumente antworten muss (siehe post 29.06.2007 09:42 CEST + 29.06.2007 17:37 CEST)
--> habe meine meinung geäussert und diese begründet, was willst du mehr?
Schön fand ich an der NLZ Aufregung um den Auftritt, dass sie Inge Viett damit eine extrem Publicity verschafft hat in Luzern und damit soviel Plattform für Diskussionen bot, wie die Boa nie und nimmer ohne "Unterstützung der NLZ" hätte bieten können ;-)
Und auch hier benutzen doch einige das Thema dazu, endlich mal erzählen zu können, was man schon immer von Terroristen gehalten hat und gleichzeitig zu bekräftigen, wie unpassend es ist, wenn Terroristen eine Plattform geboten wird; das läuft doch unter life-Satire, nicht?
@ 8ght
Ich sehe das Widersprüchliche in meine Antworten nicht, trotz Deiner differenzierten Erläuterungen.
Leute töten, Ideologie haben, von der gemeinen Masse abheben, extrem sein und faszinieren sind keine inhaltlichen Gemeinsamkeiten.
Tanzender Anarchist @ 29.06.2007 17:37 CEST
"Hat das bei Dir, 8ght, irgendwie System, sich um die inhaltliche Auseinandersetzung zu drücken? Find' ich noch interessant."
Wer findet den Widerspruch? Na, wenn du ihn nicht findest, muss dir wohl geholfen werden.
Anstelle von Gegenargumenten, versuchst du mit einer Frage, dich um die, ich zitieren, "inhaltliche Auseinandersetzung" zu drücken! Du systematischer Drückeberger du!
Btw. ich habe nie irgendwas von "inhaltlichen Gemeinsamkeitgen" gesagt. Lediglich, dass die Situation, bzw. die Brisanz dieselbe wäre ...
@ 8ght
Ich kann gerne noch einmal oben ansetzen:
Ist denn ein SS-Scherge und ein RAF-Mitglied für Dich das selbe, weil beides "Extremisten" sind? Der schwammige Begriff des "Extremismus" beschreibt ja nur die Form und nicht den Inhalt. Ist ein Nazi, der nicht so extrem ist (weil er vielleicht gerade kein KZ geleitet hat), nicht so schlimm, obwohl er die Naziideologie richtig findet?
Die Nazis haben aus einer völlig anderen Ideologie eine völlig andere Programmatik als die RAF entwickelt, was völlig andere Folgen hatte. Deshalb kann ich mich der Meinung nicht anschliessen, dass es das selbe wäre, statt der Inge Viett einen SS-Schergen einzuladen.
Um meinen Standpunkt etwas zu verdeutlichen:
Auch ein Tsunami unterscheidet sich von einem SS-Schergen, obwohl beide verantwortlich sind für den Tod Tausender, obwohl sich auch der Tsunami von der Masse (an gemeinen Wellen) abhebt und obwohl beide die Leute faszinieren.
keine angst, ich bin mir bewusst, das dies zwei ganz unterschiedliche arten von terror sind. (siehe:"Staatsterror vs Ideologie"). aber was ich dir die ganze zeit versuche zu sagen, bzw schreiben:
egal, was für ein terrorist es ist. es ist nicht in ordnung, dass man diese für öffentliche ansprachen/referate/reden einlädt!
stimmst du dem nicht zu? ich verstehe nicht, wie man dies befürworten kann ... also historisches interesse finde ich eine etwas "weitgeholte" begründung.
--> +1 Punkt für Tanzender Anarchist: Der Tsunami-Vergleich war amüsant zu lesen :) obwohl er ein gaaaanz kleines bisschen aus dem zusammenhang gerissen wurde ...
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